Erstaunlich was erhöhte Tryptasewerte aussagen

Erhöhte Tryptase und Mastzellenaktivität

Das Enzym Tryptase ist vor allem in Mastzellen vorhanden und wird bei der Degranulation von Mastzellen freigesetzt. Es ist erstaunlich, wie selten dieses Enzym bestimmt wird, obwohl es eine hohe diagnostische Bedeutung hat.

1. Ursachen für erhöhte Tryptase-Werte

  • Anaphylaxie: Bei einer schweren allergischen Reaktion steigen die Tryptasewerte stark an, da Mastzellen aktiviert und degranuliert werden.
  • Systemische Mastozytose (SM): ist eine neoplastische Erkrankung mit einer Überproduktion von Mastzellen.
  • Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS) ist eine funktionelle Störung von Mastzellen, bei der es zu einer episodischen Überaktivierung und Degranulation von Mastzellen kommt, ohne dass eine pathologische Vermehrung der Mastzellen vorliegt.
  • Akute oder chronische Entzündungen: Entzündungsprozesse oder Infektionen können zu einer Aktivierung von Mastzellen führen.
  • Myeloproliferative Erkrankungen: Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen es zu einer übermäßigen Produktion von Blutzellen kommt.
  • Hereditäre-Alpha-Tryptasämie (HAT)
  • Medikamente oder Toxine: die eine allergische Reaktion hervorrufen, können zu einer Hypertryptasämie führen.
  • Niereninsuffizienz (wenn die Tryptase nicht mehr gut ausgeschieden werden kann).

2.  Welche Bedeutung hat eine Hypertryptasämie?

Bei der Mastzellen-Degranulation werden mindestens 20 verschiedene Mediatoren freigesetzt. Dementsprechend ist auch die klinische Symptomatik sehr unterschiedlich. Die häufigsten klinischen Befunde, die damit einhergehen, sind.

3. Welche Mediatoren werden von Mastzellen noch ausgeschüttet?

  • Histamin: Vasodilatation, erhöhte Gefäßpermeabilität, Kontraktion der glatten Muskulatur.
  • Tryptase: Proteolytisches Enzym, beteiligt an Entzündungsprozessen.
  • Chymase: Proteolytisches Enzym, beteiligt an Gewebsbildung.
  • Heparin: Antikoagulans, hemmt Blutgerinnung.
  • Serotonin: Neurotransmitter, Vasodilatation, Permeabilitätserhöhung (hauptsächlich in Nagetiermastzellen vorhanden).
  • Prostaglandin D2 (PGD2): Bronchokonstriktion, Vasodilatation.
  • Leukotriene (z.B. LTC4, LTD4, LTE4): Bronchokonstriktion, erhöhte Gefäßpermeabilität, Rekrutierung von Leukozyten.
  • Platelet-Activating Factor (PAF): Thrombozytenaggregation, Vasodilatation, Bronchokonstriktion.
  • Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α): Fördert Entzündungsreaktionen, aktiviert Immunzellen.
  • Interleukine (z. B. IL-4, IL-5, IL-6, IL-8, IL-13): Regulieren Immunantworten und Entzündungen.
  • Chemokine (z.B. CCL2, CCL3, CCL5): Ziehen Immunzellen wie Neutrophile, Eosinophile und T-Zellen an die Entzündungsstelle.
  • Kationische Proteine: Beteiligt an der Abwehr von Parasiten.
  • Metalloproteinasen: Enzyme, die bei der Gewebsbildung eine Rolle spielen.

4. Was haben erhöhte Tryptasewerte mit Depressionen zu tun?

Erhöhte Tryptasewerte gehen mit Depressionen einher, weil die von Mastzellen freigesetzten Mediatoren in Wechselwirkungen mit dem Nervensystem und dem Immunsystem verwickelt sind. Diese Wechselwirkungen können entzündliche Prozesse und neurobiologische Veränderungen auslösen, die mit Depressionen in Verbindung stehen. Hier sind einige Mechanismen, die diesen Zusammenhang erklären können:

  • Entzündungsprozesse
    • Zytokinfreisetzung: Mastzellen setzen auch Zytokine wie TNF-α, Interleukine (z.B. IL-1, IL-6) u.a. proinflammatorische Substanzen frei. Diese Zytokine können die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und entzündliche Prozesse im Gehirn auslösen.
    • Neuroinflammation: Chronische Entzündungen im Gehirn werden mit verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen, einschließlich Depressionen, in Verbindung gebracht. Neuroinflammation kann neuronale Funktionen beeinträchtigen und zu Verhaltensänderungen führen.
  • Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren (HPA)-Achse
    • Stressreaktion: Mastzellen spielen eine Rolle in der Stressreaktion des Körpers. Chronischer Stress kann die Aktivität der HPA-Achse erhöhen, was zu erhöhten Cortisolspiegeln führt. Anhaltend hohe Cortisolspiegel sind mit Depressionen assoziiert.
    • Glukokortikoid-Rezeptoren: Eine Dysregulation der Glukokortikoid-Rezeptoren im Gehirn aufgrund von chronischem Stress und Entzündung kann depressive Symptome verstärken.
  • Neurotransmitter-Balance
    • Histaminfreisetzung: Mastzellen setzen Histamin frei, welches Neurotransmitteraktivitäten beeinflussen kann. Histaminrezeptoren im Gehirn spielen eine Rolle bei der Regulation von Schlaf, Stimmung und kognitiven Funktionen. Eine Dysregulation des Histamin-Systems kann zu depressiven Symptomen führen.
    • Serotonin: Entzündungsprozesse können die Verfügbarkeit von Tryptophan, einem Vorläufer von Serotonin, reduzieren, was zu einer verminderten Serotoninproduktion und somit zu depressiven Symptomen führen kann.
  • Tryptase und direkte neuronale Effekte
    • Protease-aktivierte Rezeptoren (PARs): Tryptase kann Protease-aktivierte Rezeptoren auf Neuronen aktivieren, was neuronale Signale beeinflussen und entzündliche Reaktionen im Gehirn verstärken kann.
    • Neurotoxizität: Hohe Konzentrationen von Tryptase und anderen proteolytischen Enzymen können direkt neurotoxisch wirken und Nervenzellen schädigen.
  • Mastzell-Nervenzellen-Interaktionen
    • Direkte Interaktionen: Mastzellen sind oft in der Nähe von Nervenendigungen zu finden und können durch die Freisetzung von Mediatoren direkt auf Nervenzellen einwirken. Dies kann die Neurotransmitterfreisetzung und neuronale Aktivität beeinflussen, was zu Veränderungen in der Stimmung und im Verhalten führt.

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Autor: Ledochowski

Arzt und Autor

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