GPT: Eine Software, die die Welt verändert

Weiter empfehlen.

Heute lese ich in der Wissens-Kolumne vom ZDF (Gert Scobel) die Überschrift:

GPT (Generative Pre-trained Transformer): Eine Software, die die Welt verändert

Die große Aufregung, die G. Scobel hier verbreitet, ist verständlich. Bietet die Software doch an, dass Journalisten nur mehr Stichworte in eine AI-Software eingeben müssen. Innerhalb von Sekunden wird, wie von Geisterhand, ein neuer sprachlich einwandfreier Artikel geschrieben. Microsoft hat sich schon eingekauft und die Erfindung wird als Game-Changer wie Google oder Wikipedia gefeiert. Doch ist das wirklich ein Fortschritt? Lauert darin nicht eine bisher unbekannte Gefahr?

Im Gegensatz zum Begriff einer Schwarmintelligenz könnte man diese Art der künstlichen Intelligenz als Software zur „Schwarmverblödung“ bezeichnen. Aber warum komme ich zu dieser Meinung?

Ich habe selber in einer kostenlosen Demo-Version einen Text zum Thema Reizdarmsyndrom schreiben lassen. Nachdem ich vor kurzem ein Buch darüber veröffentlicht habe, war ich der Meinung, dass es ein gutes Thema für einen Test war.  Das Ergebnis war verblüffend: in perfektem Deutsch (und ohne Rechtschreibfehler, wie ich sie immer produziere) und auf dem letzten Stand des Wissens war alles über das Thema zu lesen.

Das Problem war aber, dass nur gängige Meinungen vertreten waren. Alles, was nicht Medien-konform war oder neuartig war, wurde ausgeblendet. Also eine Verstärkersoftware für etabliertes Wissen. Gleichzeitig bedeutet dies aber, dass diese Software dazu beiträgt, dass neues Wissen verhindert wird, dass Fake News rasch korrigiert werden könnten usw.

Wenn man als Journalist im Auftrag einer Zeitung schnell einen Artikel schreiben muss (über ein Thema, von dem man eigentlich überhaupt keine Ahnung hat), dann ist diese Software perfekt.  Die Betonung liegt auf SCHREIBEN ÜBER EIN THEMA, ÜBER DAS MAN KEINE AHNUNG HAT!  Eine Software, die dazu geeignet ist, Menschen mit einem oberflächlichen Wissen als gebildet erscheinen zu lassen.

So eine Software ist aber brandgefährlich. Ohne sich dessen bewusst zu sein, wird man so schnell zu einem Verbreiter von Fake News. Oder zu einem Verbreiter von falschem Wissen. Oder zum Verbreiter von altem, verzopften Wissen. Oder zum Verstärker von Meinungen, die alle anderen ohnedies schon haben. Oder man wird einfach zu einem Roboter, der alles nachplappert. Man schreibt einfach das, was alle schreiben oder geschrieben haben.

So eine Entwicklung führt aber dazu, dass schließlich nur mehr das geschrieben werden darf, was politisch korrekt ist, was Gender gerecht ist usw. Bis man nur mehr eine Sprache verwenden darf, die Computergerecht ist.  Dann darf man nicht mehr Computer sagen, sondern man muss von  Computer*Innen sprechen.

Eine Software, die dazu dient Meinungen zu konsolidieren, egal ob diese richtig oder falsch sind.  Eine Software zur Entwicklung UNIFORMEN DENKENS beiträgt.  Damit besteht aber die Gefahr der SOZIALEN AUSGRENZUNG von Andersdenkenden.  Die Gefahr der Randgruppenbildung und Radikalisierung von Menschen, weil diese Menschen nicht mehr gehört werden (dürfen), weil sie anders denken usw.

Wie gefährlich eine solche Entwicklung ist, hat man im Lauf der Geschichte an den Religionskriegen gesehen.  Jeder, der nicht gleich gläubig war, wurde einfach umgebracht. Hexenverfolgung fand statt, weil sie attraktive Frauen anderen Menschen unübliche Heilkräuter verabreichten. Alles wurde verteufelt, was unüblich war oder was man nicht verstanden hat. Heute wird die gleiche soziale Reaktion als Mobbing bezeichnet.  Die Aufklärung hat uns davon ein wenig befreit. Die moderne GPT Software birgt die Gefahr in sich, uns wieder in das psychosoziale Mittelalter zurückzuführen.

Was die gleichgeschalteten Medien angestellt haben, konnten wir während er Pandemie erleben. Es wurde nur mehr geschrieben, was geschrieben werden durfte. Jede kritische Stimme wurde sofort ins rechte Eck verbannt oder als Querdenker oder Verschwörungstheoretiker diskreditiert. Mit der Folge, dass eine zuvor weitgehend friedliche Gesellschaft gespalten wurde.

Es stellt sich also die Frage, ob solche Software Medienhypes nicht noch mehr verstärken wird. Irgendwo auf der Welt passiert etwas, mit der Folge, dass fast jeder Journalist, über das „wichtige Geschehen“ fast gleichlautende Meldungen verfasst. Kriegstreiber benützen solche Techniken bereits als Waffe. Despoten nützen diese Technik bereits zur Meinungskontrolle. Konzerne benützen sie, um Konsumenten zu ihren Käufern zu erziehen.

Journalisten besitzen ab sofort ein Werkzeug, um diese Entwicklung zu verstärken und sich zu deren Handlangern zu machen. Sie glauben selber „objektiv“ zu sein und sind gleichzeitig selber Opfer des uniformen „korrekten“ Denkens. Wo bleiben die Journalisten, die noch eine (unorthodoxe) Meinung haben? Die ihre Meinung auch vertreten? Die nicht nur darüber schreiben, was gelesen wird, sondern was aus ihrer Sicht gelesen werden sollte?

Um auf mein Thema eines GPT-Artikels zum Thema Reizdarm zurückzukommen: Der Artikel war gut geschrieben, erlaubte aber keine neuen Gedanken. Es war ein Artikel, der dem Main Stream entspricht. Der das widerspiegelt, was ohnedies schon alle wissen oder meinen. Also nichts Neues.

Mit so einer „tollen“ Software werden jedenfalls bestehende Meinungen konsolidiert.  Egal ob sie richtig sind oder falsch. Neue, revolutionierende Ideen werden damit aber noch mehr unterdrückt als es ohnedies schon der Fall ist. Wissenschaftler, die etwas Neues, außerhalb der gängigen Lehrmeinung entdeckt haben, setzen sich noch schwieriger durch. Was schon einmal gedacht wurde, darf wieder gedacht werden. Was noch nicht gedacht wurde, darf auch nicht gedacht werden. In der Wissenschaft spricht man auch vom „Semmelweis-Effekt“. (Der Arzt Semmelweis, hat mit der Empfehlung vor der Geburtshilfe die Hände zu waschen, vermutlich Millionen Frauen das Leben gerettet und wurde wegen dieser „ungewöhnlichen“ Empfehlung jahrelang von seinen Kollegen missachtet und ausgelacht).

GPT-Software dürfte zu einer Softwaregeneration werden, die zu Uniformität des Denkens noch mehr beitragen wird. Die das Denken im Widerstand zur allgemeinen Meinung noch unmöglicher machen wird, als es bisher durch Impact Factor, BOTS, Social Media etc. ohnedies schon geschieht. Schwimmen gegen den Strom ist verboten oder moderner „es wird unmöglich gemacht“. Die Folgen solcher selbstverstärkenden Meinungsmacher-Software wird man erst in Jahrzehnten spüren. Aber es stand schon in der Bibel, „an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“. Nur wem nützt diese Erkenntnis, wenn die Gesellschaft schon gespalten wurde und Glaubenskriege wieder zum Alltag gehören?

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

EnglishFrançaisDeutschItalianoPolskiEspañol