Eisen substituieren, ist das gut?

Häufige Aussagen

Eisen ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Eisenmangel führt häufig zu Blutarmut. In Europa sind 5-10 % der Gesamtbevölkerung von einem Eisenmangel betroffen, bei Frauen im gebärfähigen Alter liegt der Anteil sogar bei 20%1. Aber nicht nur Frauen, sondern auch Sportler, Vegetarier, Veganer und Menschen mit chronischen Krankheiten leiden an Eisenmangel2. Symptome, die auf einen Eisenmangel deuten, sind vor allem Müdigkeit, Energielosigkeit, Leistungsknick, Kurzatmigkeit und Blässe. Als Ursachen werden neben Blutverlust auch vermehrtes Schwitzen, Trainingsstress sowie Mikroblutungen im Darm angeblich durch Erschütterungen beim Laufen angegeben. Sollte man da Eisen nicht großzügig substituieren?

Kritik an der Eisensubstitution

Abgesehen davon, dass Müdigkeit und Energielosigkeit sehr unspezifische Symptome sind, die bei fast jeder Krankheit auftreten, führt Eisenmangel erst dann zu diesen Symptomen, wenn eine Blutarmut vorliegt. In diesem Fall ist aber immer zuerst die Ursache für den Eisenmangel abzuklären und die Ursache zu behandeln. Eine Eisensubstitution ist nur dann angezeigt, wenn die Blutarmut so ausgeprägt ist, das man nicht zuwarten kann.

Eisen ist nämlich sehr giftig und führt darüber hinaus zu vermehrtem Wachstum von Bakterien. Das ist auch der Grund, warum Mikrobiologen Bakterienkulturen auf Blutagar anlegen. Durch das im Blut enthaltene Eisen wird das Bakterienwachstum verbessert. Im menschlichen Körper wird bei jedem Infekt das Eisen aus der dem Blut „herausgeholt“. Das geschieht, damit sich die Bakterien im Blut nicht mehr so gut vermehren können.

Der Arzt, der zu diesem Zeitpunkt die Eisenstoffwechselwerte bestimmt, stellt dann einen vermeintlichen Eisenmangel fest. Verschreibt er  womöglich noch Eisentabletten, macht er damit den Selbstheilungsversuch des Körpers zunichte. Bei Menschen, die an Malaria leiden, kann es durch Eisensubstitution zu einer Verschlechterung der Malaria kommen3.

Kann Eisensubstitution sogar gefährlich sein?

Es gibt häufig übersehene angeborene Krankheiten, bei denen die Einnahme von Eisen verboten ist. Zerstörung von Gelenken, Bauchspeicheldrüse, Entwicklung von Zuckerkrankheit, Leberzirrhose etc. können hier die Folge sein. Besonders zu beachten ist, dass sehr viele Multivitaminpräparate Eisen enthalten. Wenn man an Verdauungsbeschwerden oder Reizdarm leidet und keine nachgewiesene Eisenmangelanämie hat, sollte man alle eisenhaltigen Präparate eher absetzen.

Und was ist in der Schwangerschaft?
Im Falle einer Schwangerschaft gelten hier aber andere Regeln! Hier sollte jeder Eisenmangel substituiert werden. Die Bestimmung des Ferritinwertes kann hier weiter helfen. Liegt der Wert unter 30 ng/ml sollte man Eisen substituieren, damit das heranwachsende Kind keinen Schaden nimmt.

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1 https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/eisenmangel-und-eisenmangelanaemie/@@guideline/html/index.html

2 https://www.eisencheck.at/eisenmangel/

3 Moya-Alvarez V, Bodeau-Livinec F, Cot M. Iron and malaria: a dangerous liaison? Nutr Rev. 2016 Oct;74(10):612-23. doi: 10.1093/nutrit/nuw021. Epub 2016 Aug 26. PMID: 27566983.

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